Arbeitseinsatz Brandenburger Haus 2017

Alle Jahre wieder erobert ein enorm motivierter Kreis von Menschen die Hütten unserer Sektion - nicht als Gäste, sondern als Schraubensortierer und Möbelschlepper, Fensterrenovierer und Leitungsleger.

Denn damit die Häuser in den Zillertaler und Ötztaler Alpen den Wanderern Schutz, Schlafplatz und Verpflegung bieten können, brauchen sie Pflege.

Anders als daheim ist nur leider kein Baumarkt in Reichweite, beim Brandenburger Haus ist alles Material einen Hubschraubereinsatz weit entfernt. Die Arbeitsbedingungen reichen von unbeheizten Räumen über durchgearbeitete 14 (oder auch mehr) Stunden bis zu fehlenden Lebensmitteln. Und doch gehen, fahren und fliegen Jahr für Jahr vor dem Saisonstart ehrenamtliche Arbeitseinsatzler auf die Hütten.


Foto: Johannes Scholz


Was diese besondere Spezies von Ehrenamtlichen motiviert? Heike, frisch zurück vom Brandenburger Haus, hat uns da einen ganz wunderbaren Blick hinter die Kulissen eines Hütteneinsatzes gewährt und zeigt, wieviel Spontanität und Kreativität zwischen Scheitern und Glücken liegen kann.

 


 

Missglücken - danebengehen - scheitern - glücken

oder

Warum ausgerechnet das Brandenburger Haus?

Ich gebe zu, meine Motivation zum freiwilligen Arbeitseinsatz auf dem Brandenburger Haus in diesem Jahr war beeinträchtigt: Belastungen im Job, eine Herz-OP eines Freundes stand bevor und eine Freundin war aus dem Leben geschieden. Da ist man angespannt, ohne Nerv für irgendwas, auch nicht sonderlich fit für eventuelle Auf- und Abstiege. Die Gedanken kreisten Tag und Nacht, ließen mich nicht zur Ruhe kommen.

Was mich antrieb, war
- die Verlässlichkeit, dass das Tun auf dem Brandenburger Haus immer volle Konzentration auf die gerade anstehende Aufgabe erfordert, was wiederum für Ablenkung sorgen würde von all den zurückliegenden Problemen,
- die seit so sehr vielen Jahren fungierenden, so sehr liebenswerten Hüttenwarte Uwe & Uwe mit einer verlässlichen und ebenfalls bemerkenswert besonderen Crew,
- nicht zuletzt der gemeinsame Urlaub mit Boris,
- das Wort im wahrsten Sinn: Spontanität.

Und so starteten wir auch in diesen Arbeitseinsatz. Vorweg noch ein wenig Akklimatisierung in der Längenfelder Therme, auf einem wunderbaren Klettersteig und bei den Rofenhöfen, den höchstgelegenen dauerbesiedelten Bauernhöfen Österreichs.

Bald stellten sich erste Problemfelder ein: Das sommerliche Hoch wich einem nicht kalkulierbaren Sommergewitter, sodass Material- und Personenflüge verschoben werden mussten. Der Ofenbauer, der einen wunderschön restaurierten Ofen in die Gaststube bauen sollte, bekam seine Ofenteile und das Werkzeug nicht nachgeflogen. Als diese nach vielen Stunden dann doch hoch transportiert wurden, sorgte der starke Wind für ein unsanftes Absetzen auf der Terrasse, wobei Teile des Geländers und des Ofens beschädigt wurden. Der neue Hüttenwirt musste erst einmal auf einen Großteil der Lebensmittel verzichten und improvisieren - ihm fehlten Geschirr, Brot, Belag, Bier und vieles mehr und sein Koch, eh erst fürs Ende der Woche angesagt, konnte ihm nicht unter die Arme greifen.

Wir Arbeitseinsatzler kämpften mit zu viel Schmelzwasser, einer defekten Gasleitung zum Gasherd, mit vereisten Siebsäcken, einer neuen Sat-Anlage, die dem Wirt Internetzugang ermöglichen sollte, einem Chaos im Materiallager mit Schraubensalat in Eimern, bröckelndem Kit an Fenstern, mit einem an falschem Ort aufgebauten Gestell für die neuen Solarmodule und noch so manchem. Wie gewohnt trafen wir spontan kluge und unspektakuläre, vereinfachende Entscheidungen, richteten unser Augenmerk auf die Mittel, die uns zur Verfügung standen und nahmen auch Spezialprobleme mit Humor.

Und dann stand der neue Ofen bereits am ersten Abend und brachte wohlige Wärme.

Ja, auch in diesem Jahr forderten uns die anliegenden Aufgaben heraus - so waren unsere Gedanken sehr schnell und ausschließlich auf das Brandenburger Haus ausgerichtet. Welch größere Ablenkung kann es geben, welch besserer menschliche Kontakt kann das Leben bereichern, was schafft mehr Offenheit fürs Schauen über den Tellerrand hinweg? Solch Feld muss erst einmal gefunden sein.

Auf dem Brandenburger Haus müssen gemeinsam kurzfristig und pragmatisch Ergebnisse geschaffen werden, damit die Hütte funktioniert für die kommenden Saisonwochen.

Synonyme für missglücken werden durch das Antonym glücken aufgehoben.

Ich werde auch im nächsten Jahr wieder dabei sein!

Heike Richter

 

 

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