Do, 11.04., Sektionsvortrag "Vietnam"


VietnamMit dem Fahrrad von den Moskitos am Mekong zu den Hausbooten in Halong
Hans Neumann, Diashow mit Live-Musik
19.30 Uhr, Geschäftsstelle, Eintritt frei

Man hatte mich gewarnt! Mit dem Fahrrad durch Vietnam zu fahren erachteten einige als nicht so gute Idee.
Doch der Reihe nach.....


Mit einem Schiff war ich auf dem Mekong von Phnom Penh nach Chau Doc gefahren, einer Kleinstadt im Norden des Mekong-Deltas. Parallel zu dem gigantischen Strom radelte ich zunächst nach Süden. Auf den Strassen bewegten sich nur wenige Autos, dafür aber Zehntausende von Mopeds. Damit nicht genug – jeder bediente seine Hupe im Sekundentakt. Dazu kamen die sonoren und trommelfellzerfetzenden „Schiffshörner“ der LKW und Busse. Das Hupen bedeutet: Weg da – jetzt komme ich!
Der Lärm und die aggressive Fahrweise aller Verkehrsteilnehmer waren manchmal unerträglich! In völlig unübersichtlichen Kurven und an Bergen wurde ohne Rücksicht überholt, was nicht immer glimpflich abging.


Wettgemacht wurde das sehr gewöhnungsbedürftige Fahrverhalten allerdings durch die Landschaft rechts und links der Straße: Sattgrüne Reisfelder, auf denen Bauern in bunter Kleidung und  runden Reisstrohhüten arbeiteten; eine herrliche Küstenstraße; Bergdörfer, in denen ethnische Minderheiten ungläubig mein voll bepacktes Fahrrad bestaunten.  


In einem Dorf wurde ich zu einer Hochzeit eingeladen. Mit meiner kurzen Radlerhose, T-Shirt und Turnschuhen fühlte ich mich etwas deplaziert auf diesem Fest, wo alle nach ihren Möglichkeiten „schick“ gekleidet waren. Mein Outfit störte die Hochzeitsgesellschaft aber nicht, zumal ich mit Mundharmonika und Löffeln Musik machte. Als ich auf der Flöte irische Tänze spielte, tanzten einige dazu. Zum Abschied schenkte man mir noch einen Becher Pudding – garniert mit einer Heuschrecke!

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Apropos Kulinarisches:
Auch wenn mir der Magen noch so knurrte, gegrillten Skorpion, gebratene Feldratte oder gedünsteten Schlangenkopf mochte ich dann doch nicht essen...
Ebenso gewöhnungsbedürftig waren die rustikalen Tiertransporte auf den Mopeds. Ob Schweine, Hühner, Enten, Hunde – alles wurde entweder an den Füssen zusammengebunden oder in engen Käfigen transportiert. Auch der Umgang mit Tieren auf den Märkten ließen mir die Haare zu Berge stehen!


Ich hatte schon vor der Reise viel über die vietnamesische Eisenbahn gesehen, gehört und gelesen, aber die Realität überstieg meine Vorstellungskraft. In einem völlig überfüllten „Abteil“, in dem die Fahrgäste jeden freien Raum für sich, ihre Tiere und Gepäckstücke nutzten, fand ich eine winzige Ecke, in die ich mich mit meinen 7 Gepäckstücken zwängen konnte. Mein Fahrrad wurde zu meinem Entsetzen nicht im selben Zug, sondern in einem späteren transportiert.


Die Fahrt auf der Küstenstrasse wurde durch heftigen Nordwind erschwert, so dass ich manchmal einfach nicht mehr weiter fahren konnte. Hilfsbereite LKW-Fahrer nahmen mich dann mit.
Hinter dem Wolkenpass änderte sich das Wetter schlagartig. Es war kalt, regnerisch, neblig, windig, ungemütlich. Die alte Kaiserstadt Hue besichtigte ich im Regen mit Erkältung.


Da die Zeit für eine Weiterfahrt nach Nord-Vietnam nicht mehr reichte, fuhr ich mit einem Bus in die landschaftlich einzigartige Halong-Bucht, einem „Muss“ für jeden Vietnam-Besucher.
Sehr beeindruckend waren die Tunnel in Vinh Moc, die die Dorfbevölkerung Mitte der 60er Jahre bis zu 24 m tief in die Erde gegraben hatten, um sich vor den Bombenangriffen der amerikanischen B-52 Bomber zu schützen.


Auf dem Weg durch das Gebirge nach Laos besuchte ich den Ho-Chi-Minh-Pfad, die Drakon-Brücke und den Rock Pile, wo die Amerikaner zur Zeit des Vietnamkrieges einen strategisch wichtigen Posten hatten.


Leider musste ich Vietnam verlassen, da mein Visum abgelaufen war. Der Abschied fiel mir trotz der manchmal widrigen Umstände schwer, wurde mir aber durch das erheblich angenehmere Fahren in Laos leicht gemacht: niemand hupte, das Wetter wurde mit Grenzübertritt sehr viel angenehmer, der Verkehr war lange nicht so hektisch wie in Vietnam.

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