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Baubericht • Technik- und Winterhaus Martin-Busch-Hütte

  • Unser Verein erhält im Rahmen der Umsetzung der Maßnahme 73-16-BMAW-TOURISMUS Investitionen im Bereich kleine touristische Infrastruktur mit Fokus auf alpine Infrastruktur mit touristischer Relevanz eine Unterstützung des Bundes und der Europäischen Union für erforderliche Investitionen zur Instandhaltung und Verbesserung der alpinen Infrastruktur.

Minimalziel „Dach dicht“

Von Christoph Freytag und Johannes Scholz

Baustand Mitte September: Holz-Rohbau ist abgeschlossen, Dach dicht. Foto: Johannes Scholz

Nun ist es endlich soweit: Seit dem 3. August entsteht neben der Martin-Busch-Hütte (MBH) ein neues Nebengebäude, auch als Technik- / Winterhaus bekannt. Es dient vor allem zwei Zielen: Zum einen wird der Winterraum für die Martin-Busch-Hütte, der allen Bergsteigenden 365 Tage durchgehend offensteht, aus dem Haupthaus ausgelagert – ein wichtiges Anliegen des DAV-Hauptverbandes. Bei weiterer Analyse der Anforderungen stellte sich heraus, dass die aktuelle Kläranlage noch bis 2030 betrieben werden darf, danach aber mit Sicherheit die Betriebsgenehmigung verliert. Daraus leitet sich Handlungsbedarf in der nahen Zukunft ab, da eine Erweiterung im eigentlichen Haus nicht sinnvoll realisierbar ist.

Was wir bauen – Planung

So stellte sich im Laufe der Überlegungen­ heraus, dass es sich bei dem geplanten Neubau nicht um ein ganz kleines Gebäude handeln kann, sondern ein kombiniertes zweigeschossiges Haus am Hang entstehen wird. Wichtig ist zudem, dass der beeindruckende Blick von der Terrasse des Haupthauses auf die gegenüberliegenden Berge erhalten bleibt. Mit Hilfe eines Berghütten-erfahrenen Projektleiters sammelte man zunächst erste Ideen. Daraus entstanden Konzepte, welche zu einem konkreten Entwurf des Hauses weiterentwickelt wurden, der unsere Anforderungen bestmöglich berücksichtigt. Das Haus wird im Obergeschoss 16 Schlafplätze enthalten und einen zentralen Gruppenraum mit Ofen und Kochgelegenheit zur Verfügung stellen; dieser Raum ist auch zur Ausbildung oder für Seminare gedacht.

Im Untergeschoss wird die notwendige Technik ihre Heimat finden. Eine biologische Kläranlage ist heute auf Hütten dieser Größe und Lage Pflicht und oft schon behördliche Auflage. Technisch werden die Feststoffe der Fäkalien zuerst mittels einer Sieb­ schnecke ausgepresst – die Reste können einfach ins Tal transportiert werden. Die verbleibende Flüssigphase wird anschließend durch ein schon bestehendes 4-Kammern-System geleitet; in zwei dieser Kammern verrichten Bakterien ihre Arbeit der Nährstoffreduktion. Eine Energiestudie zeigt, dass zum Betrieb der biologischen Klärung zusätzlicher Energiebedarf (Pumpen, Belüftung etc.) besteht. Erfahrungen dazu gibt es hier bereits auf der Berliner Hütte und dem Furtschaglhaus. Vor allem für den Winterbetrieb in der Hochtouren-Saison (März + April) muss zuverlässig ausreichend Energie zur Verfügung stehen, die eine Photovoltaik-Anlage bei schlechtem Wetter nicht liefern kann. Da im Fall der ­ Martin-Busch-Hütte anfallende Wärme immer sinnvoll genutzt werden kann, fällt die Wahl auf ein sehr effizientes Blockheizkraftwerk (BHKW), dass mit Rapsöl betrieben wird. Das BHKW findet ebenfalls im Untergeschoss seinen Platz, liefert Strom bei Bedarf und wird als Bonus den Verbrauch von Gas deutlich reduzieren.

Vorbereitung

Für uns als Sektion ist es etwas ganz Besonderes, ein neues Gebäude zu bauen, nicht nur weil die Erschließung der Alpen längst als abgeschlossen gilt. Selbst wenn die Sektion in ihrer jüngsten Vergangenheit zwei große Gebäude in Berlin gebaut hat: Wir bauen nun in einem anderen Land weit weg von der Heimat in ganz anderer Umgebung und unter anderen Randbedingungen – eine große Herausforderung.

Ein solches Gebäude im Hochgebirge rea lisieren zu können, bedeutet sowohl intern als auch extern viele Hebel in Bewegung zu setzen. Vor allem die Irrwege durch die verschiedenen Möglichkeiten der Förderung haben uns intern stark beschäftigt, um die bestmögliche Finanzierung des Baus zu er möglichen.

Das Grundstück, auf dem die Martin-Busch-Hütte steht, ist für den Neubau zu klein und ein weiterer Grunderwerb war notwendig. Grundstückseigentümerin im Niederbachtal ist die Agrargemeinschaft Südtirol, die jedes Jahr im Sommer Schafe und Ziegen im Tal weiden lässt, ein verbrieftes Recht seit über 450 Jahren. Die Verhandlungen mit der Agrargemeinschaft gestalteten sich zäh und zogen sich über mehrere Monate. Beinahe hätte die Summe der Verzögerungen eine Verschiebung des Baubeginns in das nächste Jahr bedeutet.

In enger Zusammenarbeit mit dem österreichischen Notar konnten nach Kaufabschluss die notwendigen Schritte zur Eigentumsübertragung trotz „kleinerer Ausbremsungen“ zügig über die Bühne gebracht werden. Die beauftragte Firma Spiss&Partner begann parallel mit der Ausführungsplanung und mit der Vorbereitung der Vergabe der einzelnen Gewerke. Größte Herausforderung war dabei, die Baugenehmigung auf einem Grundstück zu erhalten, das in einem Naturschutzgebiet liegt.

Dieser Umstand wurde durch das Warten auf etliche (naturschutzrechtliche und andere) Gutachten weiter verzögert – allerdings war hier unser Projektleiter Gold wert, da er durch geduldige Kommunikation mit den verschiedenen Behörden einerseits auf die Dringlichkeit hinweisen konnte, auf der anderen Seite immer wusste, welchen Bearbeitungs­ stand unsere Anträge bei den verschiedenen Behörden hatten. Bis Mitte Juli war offen, ob die zuständige Behörde den Baubescheid rechtzeitig zum geplanten Baubeginn Anfang August ausstellen würde – erst ab diesem Zeitpunkt darf ein Hub schrauber im Niedertal für Baumaßnahmen fliegen. Vorher sind solche Flüge zum Schutz brütender Adler und Bartgeier verboten.

Es geht los – Rohbau

Mitte Juli war dieser Schritt glücklicherweise geschafft: Der Bescheid der Eigentumsübertragung sowie der davon abhängige Baubescheid lagen vor – besser hätte ein Krimi nicht sein können. In weiser Voraussicht hatten Projektleiter und Sektion rechtzeitig das erste Baumaterial bestellt, das dann pünktlich am 3. August hochgeflogen werden konnte. Schon vorher hatte sich ein Schreitbagger über das Flussbett im Niedertal auf den Weg zur MBH gemacht. Die Straße, die zur Hütte führt, ist für solche Fahrzeuge auf Grund des Gewichtes und der Breite ungeeignet. So krabbelte der Bagger kurz vor der MBH den steilen Hang zum geplanten Standort des Neubaus hoch – eine spannende Angelegenheit.

Zum Glück spielte auch das Wetter mit, so dass nach dem Aushub einer Grundfläche und einer Zufahrt die Bodenplatte mit Frostriegel betoniert werden konnte. Die Erstellung der hangseitigen Wand erfolgte in zwei weiteren Abschnitten. Parallel dazu wurden die weiteren Außenmauern des Untergeschosses erstellt. Letzter Schritt im Rohbau war die hangseitige Hinterfüllung sowie die Erstellung von Fundament und Wänden für den Eingangsbereich. Dank sehr guter Koordination und tatkräftigen Arbeitern wurde der Rohbau planmäßig zu Anfang September fertig gestellt – ein ganz wichtiger Meilenstein in der kurzen Bauzeit.

Die folgenden Schritte werden hauptsächlich vom Wetter beeinflusst. Minimalziel in diesem Jahr war „Dach dicht“ für Ende September … dann kann der Winter kommen. Dafür startete Anfang September der Holzbau mit der Zwischendecke, dem oberen Geschoss und dem Dach. Vorgefertigte Holzbau-­ Module wurden dabei oben zusammengesetzt. Idealerweise kann bis Ende ­ Oktober / Anfang November weitergearbeitet werden, bevor es endgültig zu kalt wird. Der Innenausbau und die Elektrik sind zum Großteil wetterunabhängig und werden soweit sinnvoll noch in diesem Jahr fertig gestellt.

Wir haben in diesem Jahr viele Hindernisse aus dem Weg geräumt und daran waren sehr viele Ehren- und Hauptamtliche beteiligt. Wir danken für die große Unterstützung beim Vorstand, der Geschäftsführung, der Buchhaltung, dem Hüttenausschuss und allen weiteren Beteiligten. Ebenso geht der Dank auch an Peter, den Hüttenwirt, mit dem ganzen MBH-Team für die Unterstützung und Verpflegung vor Ort. Bislang sind wir sehr froh über die Entwicklung, den aktuellen Stand und Baufortschritt – wir werden euch weiter berichten.

Die Ebene für die Bodenplatte wird vom Schreitbagger vorbereitet. Foto: ­ Johannes Scholz

Die Ebene für die Bodenplatte wird vom Schreitbagger vorbereitet. Foto: ­ Johannes Scholz

Die Bodenplatte ist fertig gegossen. Foto: ­ Johannes Scholz

Das Untergeschoss steht – alles weitere ist ein Holzbau. Foto: ­ Johannes Scholz