Klimawandel in den Alpen

An kaum einem anderen Ort sind die aktuellen Veränderungen deutlicher zu spüren als im Alpenraum. Während die globale Durchschnittstemperatur gegenwärtig 1 °C über dem vorindustriellen Niveau liegt, schreitet die Erwärmung in Österreich beinahe doppelt so schnell voran. Mit einem Temperaturanstieg von 1,8 °C nimmt der Alpenstaat in Sachen Klimawandel richtig Fahrt auf. Insbesondere seit den 80er-Jahren kennt die langfristige Temperaturentwicklung nur eine Richtung: steil nach oben. Alpenweit wird bis zum Ende des 21. Jahrhunderts je nach Zukunftsszenario eine weitere Erwärmung um 1,5 bis 5 °C prognostiziert.

In den Niederschlagsmustern erweisen sich zeitliche Trends als weniger einheitlich. Das ausgeprägte Relief der Alpen wirkt als Wetterscheide, wodurch sich große regionale Unterschiede ergeben. Für die Hütten der Sektion Berlin lässt sich feststellen: es wird nasser. Denn auf der Alpennordseite – so auch in Nordtirol – nimmt der Gesamtjahresniederschlag seit Ende des 19. Jahrhunderts zu. Klimasimulationen legen nahe, dass sich zukünftig vor allem die saisonale Niederschlagsverteilung im Alpenraum ändern wird. Demnach ist mit mehr Niederschlag in den Wintermonaten zu rechnen, während die Sommer trockener ausfallen. Diese Aussicht dürfte Wintersportbegeisterte zunächst jubeln lassen, doch Obacht: Durch den rasanten Temperaturanstieg nimmt die Schneesicherheit unterhalb von 2000 m drastisch ab, sodass man sich vermehrt auf winterliche Regentage einstellen sollte. Den Prognosen zufolge erhöht sich zudem die Intensität von Starkniederschlagsereignissen zu allen Jahreszeiten.

Die Folgen

… sind mannigfaltig und wohl am eindrucksvollsten an dem rasanten Rückzug und gut dokumentierten Massenverlust alpiner Gletscher zu beobachten. Das ist nicht nur ein landschaftsästhetischer Verlust, sondern bedroht auch vielerorts die lokale Trinkwasserversorgung. Konsequenzen über den Alpenraum hinaus deuten sich für die europäische Binnenschifffahrt an. Große Flüsse wie Rhein und Donau werden in den Sommermonaten durch zwischengespeichertes Wasser aus den Alpen gespeist. Verringert sich der Schmelzwasserabfluss, ist zukünftig vor allem während sommerlicher Dürreperioden mit niedrigen Pegelständen und verminderter Schiffbarkeit zu rechnen.

Auch das fortschreitende Tauen von Permafrost stellt lokale Infrastruktur vor ständig neue Herausforderungen. Schwindender Permafrost trägt vielerorts zu einer Destabilisierung der Hänge bei und gefährdet Wege und Gebäude. Starker Niederschlag tut dann sein Übriges. Über 80 % der in Österreich dokumentierten Muren (Schuttströme) lassen sich als unmittelbare Folge von Starkregen und Gewitter zurückverfolgen. Vor dem Hintergrund einer steigenden Intensität von Starkregenereignissen in Zeiten des Klimawandels bleibt zu hoffen, dass Risikomanagement und Sicherungstechnologien weiterhin Schritt halten.

Schritt halten mit den veränderten Bedingungen müssen auch Flora und Fauna. Die ökologischen Nischen sogenannter „extremophiler Arten“, welche an die widrigen Bedingungen in Hochgebirgslagen angepasst sind, schwinden. Zunehmende Erwärmung und reduzierte Schneebedeckung erlauben den Vorstoß konkurrenzstarker Arten in größere Höhenlagen. Auf diese Weise wird eine Verschiebung von Pflanzengesellschaften begünstigt und alpine Spezialisten laufen Gefahr, auf der Strecke zu bleiben.

Die Schuldfrage im Klimadilemma

… bleibt komplex, doch einige Fakten sind gesichert:

  • Rhythmisch wechselnde Kalt- und Warmzeiten prägen den Planeten weitaus länger als Menschen existieren.
  • Aus klimageschichtlicher Sicht befinden wir uns am Ende einer Warmphase, sodass mit einer Abkühlung zu rechnen wäre.
  • Globale Klimatrends sprechen eine gegenteilige Sprache: die Erwärmung schreitet voran.
  • 8 Milliarden Menschen bevölkern die Erde und ihre vielfältigen Aktivitäten bewirken den Ausstoß klimawirksamer Gase im großen Umfang.
  • Riesige Mengen an CO2 werden aus Kohlenstoffspeichern freigesetzt, die viele Millionen Jahre lang von der Atmosphäre entkoppelt waren: den sogenannten fossilen Brennstoffen.
  • Kompensationsflächen, die Treibhausgase effektiv binden, schwinden.
  • Durch menschliche Bewirtschaftung verwandeln sich ehemalige CO2-Senken in CO2-Quellen: Wälder werden gerodet, Moore trockengelegt und Überflutungsflächen eingedeicht für eine landwirtschaftliche Nutzung.

Der Mensch ist zur dominierenden Triebkraft in einem neuen Zeitalter geworden: dem Anthropozän.

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