Jahresrückblick 2018 Bergsalamander Klettersteig

Klettersteig (Kurs) mit Kindern

Wir beginnen erst mal mit einem Bekenntnis: Wir sind schon einige Klettersteige gegangen. Wie man das macht, das haben wir uns selbst beigebracht, einiges von Bekannten gezeigt bekommen und noch einiges angelesen. Für uns selbst hat das bisher auch gut geklappt und wäre sicher auch dabeigeblieben. Nun änderte ich unser Leben vor acht Jahren grundlegend. Zum Glück haben wir in den letzten Jahren die Feststellung gemacht, dass wir mit unseren Kindern doch so manches mehr unternehmen können, als das was in Wanderführern als „kindergerecht“ ausgewiesen wird. Es darf ruhig höher und ausgesetzter sein. Nein – es MUSS..., Ist der Weg interessant (nicht das Ziel, sondern der Weg!), dann stehen uns die Kinder in kaum etwas nach, sofern sie nicht sogar vorne weg sind. Handelt es sich jedoch um einen langweiligen Forstweg, dann sind maximal 200m Strecke bis zur Eisdiele möglich, sonst ist es die reinste Tortur für beide Seiten. Folglich müssen interessante und erlebnisreichen Wege her! Aber da kommen dann auch die gespannten Seile und Tritte und Leitern ins Spiel... und die Frage an sich, ob wir das mit unserem Halbwissen überhaupt verantworten können, solche Wege mit unseren Kindern zu gehen? Eher nicht.... daher muss ein Kurs her! Ein Kurs für Eltern und ihre Kinder. Den bietet jedoch nur der DAV-München/Oberland an und der ist auch schon ausgebucht. Also: Selbermachen!!! Zielsetzung für den Kurs ist: die Kinder sollen die grundlegenden Techniken beherrschen lernen und die Eltern die Grenzen, bzw. lernen wie man die Kinder an gefährlichen Stellen zusätzlich sichert.

Die Reaktionen sind doch sehr unterschiedlich - von „unverantwortlich!“ bis „tolle Idee“ hören wir eine Menge. Was wir aber am meisten Seitens der Eltern hören, ist das ein solcher Kurs komplett unnötig sei. Jedoch fallen die Begründungen warum er nicht notwendig ist komplett auseinander. Die einen sagen, zwei Bandschlingen mit Karabiner haben wir, mein Kind kann das alles schon, da braucht es keinen Kurs, reine Geld- und Zeitverschwendung. Die andere Seite sieht nur die Gefahr, mit der die Eltern die Kinder nicht konfrontieren wollen. Wir mittendrin mit der Auffassung, die Kinder sollen Berge positiv erleben können, aber das Risiko muss beherrschbar sein. Es gibt viel Literatur zu dem Thema mit Kindern auf Klettersteigen, vor allem nach den Untersuchungen im Jahr 2013, bei denen festgestellt wurde, dass bei einem freien Fall ein Klettersteigset für leichte Personen - insbesondere für Kinder - die Dämpfung des Klettersteigsets nicht auslöst und somit lebensgefährliche Verletzungen verursacht werden können. Nach viel Literatur und erfolgloser Suche innerhalb unserer Sektion nach einem Trainer/in waren wir so frei, zwei Mitglieder des Bundeslehrteams Familienbergsteigen anzusprechen, welche ja u.a. für Familiengruppenleiter die Fortbildung „Klettersteig gehen mit der Familiengruppe“ durchführen. Die Antwort von Christiane und Jens Werchau war eigentlich ganz einfach: Ja, klar kann man mit Kindern Klettersteige gehen, man muss halt nur wissen, welche Risiken bestehen und wie man diese umgehen kann. Auch fanden sie sich bereit einen Kurs mit uns zu machen. Als Kursort stellten sich schnell die Klettersteige bei Hirschbach in der Hersbrucker Alb heraus. Mit dem Bambini Klettersteig und der Via Ferrata Piccolo sind hier, neben dem herausfordernden Hohenglückssteig, zwei Kinder-Übungsklettersteige vorhanden, halbwegs gut zu erreichen (Bahn bis Vorra) und von der Unterkunft bei Jura-Alpin gut fußläufig zu erreichen.

Als ein Abenteuer eigener Art stellte sich das Material und besonders die Materialausleihe dar. Das ein Klettersteigset ja auch für Erwachsenen keine vollwertige Sicherung wie ein Toprope zu Klettern in Halle oder Klettergarten ist war uns bewusst, dass dies erst recht für die Kinder zutrifft war uns schon bewusst, daher ja auch die Idee zu dem Kurs. Erstaunt mussten wir feststellen, dass dies den meisten Erwachsenen für sich selbst nicht bewusst ist. Insoweit war es eigentlich nicht verwunderlich das viele zunächst dachten, es müsste nur ein „Kinderklettersteigset“ geben und alles wäre geritzt. Aber dann wäre der Kurs ja wirklich nicht notwendig. Nach der Materialliste von Christiane und Jens waren mitzubringen: Klettergurt mit normgerechtem, Klettersteigset und Helm sollte jeder TN zwei Bandschlingen, zwei Karabiner, eine Echse und ein 20 m Halbseil mitbringen pro Familie. Für diejenigen, die in der Materialausleihe der Sektion ausgleichen wollten hieß, dass, trotz Hinweis auf den Kurs, es eine Menge Belehrungen zu erhalten. Unter anderem, dass Klettersteigsets für Personen unter 40 Kg nicht geeignet sind, es für weder für ein Halbseil, vor allem in der Länge von 20 m keine sinnvolle Verwendung und erst recht keine Ausleihe gibt. Im Gegenzug zu den Belehrungen werden jedoch ohne Wimperzucken nicht passende Gurte und Helme an die Kinder ausgeben.

Inhalte und Methoden des Kurses Am Ende trafen wir uns mit 10 Erwachsenen und 10 Kindern zu einem verlängerten Wochenende über den 1. Mai in Franken. Nachdem wir alle eingetroffen waren und erst mal zur Cäciliengrotte gewandert waren, kamen am 3. Tag unsere Trainer Jens und Christiane dazu. Zunächst stellten wir uns alle vor, das Material wurde begutachtet und alles angelegt. Am Klettersteig angekommen gab es erst mal eine allgemeine Einführung über die grundlegende Technik, anschließend hieß es für die Erwachsenen erst mal anfassen. Anfassen am Seil, mit dem nun für die Kinder ein erster Klettersteig zu ebener Erde simuliert wurde. Die Kinder hatten große Augen und zeigten riesiges Interesse, sie waren begierig darauf an den Felsen zu kommen. Anschließend ging es in luftiger Höhe von ca. 0,5 m immer im Wechsel Kind Erwachsener den Bambini Klettersteig entlang und den 1. Teil des Hohenglücksteigs in verkehrter Richtung zurück zum Startplatz. Die Kinder machten es vorbildlich und hatten am Abend noch eine ganze Menge Energie und etliche kletterten dann noch an der hauseigenen Kletterwand. Nach einer gemeinsamen gute Nacht Geschichte ging es ins Bett. Am nächsten Morgen wieder der Aufstieg zum Hohenglückssteig, 200 hm/3 Km Strecke ohne Murren der Kinder. Jetzt sollte es am Vormittag schon etwas heftiger zur Sache gehen. Denn wozu haben wir das 20 m Halbseil im Rucksack, bzw. was kann ich machen, wenn keine Sicherung vorhanden ist oder es steil wird und Absturzgefahr besteht, denn gerade diesen müssen wir ja verhindern, da die Dämpfung des Klettersteigsets ja bei dem leichten Kinderkörpern nicht funktioniert.

Im ersten Fall ist mit einem gespannten Seil schnell ein provisorischer Klettersteig gebaut, vor allem aber kann das Halbseil mittels eines Standplatzes oberhalb des Kindes mit einem Karabiner und Halbmastwurf als zusätzliche Sicherung genutzt werden. Das Kind kann auch in absturzgefährdeten oder sogar überhängenden Wegstrecken ganz normal mit seiner Selbstsicherung weitermachen. Und sollte es doch abrutschen, dann und wirklich erst dann hängt es in der Zusatzsicherung, ohne dass überhaupt ein Fangstoß erfolgt. Mittels dieser Technik kann auch ein Kind, wenn es dann doch die Kräfte (oder die Lust) verlassen hätte, abgeseilt werden. Nachdem das alle in der Praxis geübt haben, ging es auf den Hohenglückssteig. Dieser besteht aus immer einzelnen Partien, die sich am Fels entlangziehen, sich aber in Teilen auch immer am Fuß des Felsens umgehen lassen können. Zusammen gehen wir den ersten Abschnitt des Klettersteiges mit seinen 5 Teilen. Zu unserem eigenen Erstaunen versuchen sich nicht nur die Erwachsenen, sondern auch 4 Kinder an der Wittmann Sichkane (Klettersteig E), blanker Fels, 6 m senkrecht abwärts. Hier hilft nur Hände ans Stahlseil und Füße gegen den Felsen. Zur Sicherheit von oben gesichert - aber auch das schaffen die Kinder mindestens genauso gut wie die Erwachsenen. Auch dieser Tag geht zu Ende... am letzten Tag übt jeder für sich noch mal das Gelernte.

Was haben wir gelernt? Kindern kann auch in der heutigen Zeit ein über Forstwege hinausgehendes Bergerlebnis ermöglicht werden! Wenn die Eltern wissen, was sie tun, können die Risiken deutlich reduziert werden. Auch mit den Kindern können viele Klettersteige begangen werden. Auch wenn mir zwei Tage ursprünglich ein hoher Zeitaufwand erschien, wurde die Zeit am Ende knapp. Wünschenswert für den Kurs wäre die Möglichkeit gewesen, die Kinder zeitweise einer Kinderbetreuung zu überlassen. So hätten die Erwachsenen ungestört lernen können. In der Nachbesprechung haben uns die Trainer ihre Einschätzung mit auf den Weg gegeben, rein von der Technik haben das alle Kinder sehr sauber gemacht, was man nicht von allen Erwachsenen sagen kann... Für uns können wir mitnehmen: wir als FGL werden wohl im Nächsten Jahr die Fortbildung Klettersteig mit Kindern machen, denn Kurse für Kinder und Eltern sind wichtig und richtig. Hauptproblem dürfte sein, dass die Eltern für sich erst mal akzeptieren, dass auch sie noch was lernen müssen. Es ist ja schön, dass all die Risiken und Sicherheitslücken immer wieder vom Alpenverein thematisiert werden, aber es kommt nicht bei den Vereinsmitgliedern an. Das wäre aber wichtig, besonders, wenn sie die Verantwortung für die Kinder mittragen, dann müssen sie erst mal selbst in ihrem Handeln sicher sein.

David Riebschläger

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