Berliner Landesmeisterschaft im Bouldern spannend bis zur letzten Sekunde
Bei winterlichen Temperaturen fand am Samstag, 14.2., die Offene Berliner Landesmeisterschaft Bouldern in der Berta Block Boulderhalle in Pankow statt. Angetreten waren 46 Athleten und 24 Athletinnen aus Berliner Sektionen und zahlreichen Sektionen der DAV Region Nord-Ost. Es wurde in den Wertungsklassen Herren/Damen und U17 um die jeweilige Tageswertung und die Berliner Meistertitel gekämpft.
In der Qualifikationsrunde galt es je Wertungsklasse 6 Boulder im Intervallmodus zu klettern, wobei die Altersklasse U17 auch auf den Bouldern der Senior:innen startete. Bei den Damen stellte sich einerseits ein diffiziler Plattenboulder als schwierige Hürde dar, der präzisen Umgang mit dem Sohlenaufsatz in Kombination mit genauer Hüftverschiebung und Balancegefühl forderte. Aber auch ein Powerboulder, der einiges an Körperspannung, Finger- und Zangenkraft sowie Explosivität abverlangte, wurde zum Ticket fürs Finale.
Bei den Herren wurde ebenfalls eine Bandbreite an modernen Wettkampf-Boulderstilen abgefragt. Auch hier waren es zwei Boulder, die größtenteils über die Finalteilnehmer entschieden. Beide Kletterprobleme waren in der überhängenden Front-Seite des Brückenelements in Halle 4 der Berta Block geschraubt. Der Umgang mit Slopern, Körperspannung und Dynamik entschied über den Erfolg an einem dieser Boulder. Beim anderen musste aus abschüssigen Lochgriffen heraus enormer Körperschwung generiert werden, um wenigstens eine Zonenwertung zu erhalten. Einige Athleten kamen dem Zug zum Topgriff in diesem Boulder zwar sehr nahe, jedoch blieb letztlich allen die Maximalwertung verwehrt.
Das Finale der Berliner Landesmeisterschaft wurde erstmals nach dem neuen internationalen Modus ausgetragen: 8 Finalist:innen, die im Intervall bei maximal zwei Athlet:innen auf der Matte gleichzeitig klettern. Dieses Format stellte sich in mehreren Punkten als sehr vorteilhaft heraus: es herrscht meist durchgängig Action an der Wand, ohne dass die Zuschauer:innen etwas verpassen; der Zeitrahmen ist leicht gestrafft; und 8 Wettkämpfer:innen sind weder zu wenig noch zu überfordernd—man kann gut den Überblick behalten.
Die Damen traten zuerst ins Rampenlicht, mit gleich einer Besonderheit: Boulder Nummer 1 war als Unisex-Problem für Damen und Herren gleichermaßen ausgelegt. Es handelte sich um eine koordinativ anspruchsvolle, ganz leicht geneigte Platte mit einem sehr weiten Aufsteherzug zum Topgriff. Das Konzept ging auf: die spätere Gewinnerin Helene Wolf (Sektion Hamburg und Niederelbe) war die einzige, die das Top erreichen konnte. Die Boulder 2 und 3 konnten von nahezu allen Finalistinnen früher oder später getoppt werden, während Boulder 4—ein echtes Körperspannungsbrett–wiederum nur Helene erfolgreich begehen konnte. Auch die Berliner Finalistinnen Inka Fichtel und Carlotta Sandau (beide Sektion Berlin) gaben alles: Inka kürte sich mit 2 Tops und 3 Zonenwertungen zur Berliner Meisterin sowohl bei den Damen als auch in der U17, während Carlotta nicht gerade ihren besten Tag erwischt hatte, und mit lediglich zwei Zonenwertungen dennoch Platz 8 in der Tageswertung erreichte.
Die Qualifikationsleistungen ließen bei den Herren auf ein sehr enges Rennen im Finale schließen. Chefroutenbauer Matze Conrad und sein Team hatten harte und kreative Aufgaben in die Wand gezaubert. Der bereits erwähnte ganz leicht modifizierte Unisex-Boulder 1 konnte tatsächlich nicht von den Herren bis zum Top-Erfolg geklettert werden. Boulder 2 erwies sich als ein an Outdoor-Boulder angelegtes Testpiece, das den Athleten schon bis zur Zonenwertung alles abverlangte. An Boulder 3 konnten Luk Meyhöfer und Linus Raatz (beide Alpinclub Berlin) als einzige im Finalistenfeld den dynamisch-koordinativen Stützer-„Flag“-Move klettern. Ein Zweikampf zeichnete sich ab, der an Boulder 4 entschieden werden würde. Dieses Problem forderte sehr präzises Routenlesen: die eleganteste und effizienteste Lösung fand der spätere Drittplatzierte Tarek Robrahn (Sektion Hamburg und Niederelbe). Linus erkannte die passende Sequenz etwas zu spät und konnte das Top nicht mehr im Zeitlimit erreichen. Einen Tick früher gelang dies allerdings Luk. Er hatte noch ganze 5 Sekunden auf der Uhr, als er endlich den Boulder knackte und sich damit sowohl die Tageswertung als auch den Berliner Meistertitel bei den Herren sicherte.
Die Berliner Meister:innenriege ergänzte Lane Woltmann (Sektion Berlin) in der U17 männlich.
Noch ein kurzes Wort zu den nun auch national verwendeten Boulder-Punktwertungen anstatt der bekannten Zonen- und Top-Zählweise. Zwar sind die Punktwerte (10 Punkte = Zone, 25 Punkte = Top, 0.1Punkte Abzug für jeden Fehlversuch) im Gesamttableau leicht einzuordnen, allerdings verschwimmen die Details gegenüber der bisherigen Wertung dadurch stärker.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
Tageswertung
Herren
1. Platz Luk Meyhöfer (AlpinClub Berlin)
2. Platz Linus Raatz (AlpinClub Berlin)
3. Platz Tarek Robrahn (Hamburg und Niederelbe)
Damen
1. Platz Helene Wolf (Hamburg und Niederelbe)
2. Platz Amelie Huss (Osnabrück)
3. Platz Charlotte Hensel (Jena)
U17 weiblich
1. Platz Amelie Huss (Osnabrück)
2. Platz Lotta Mehrländer (Hamburg und Niederelbe)
3. Platz Lisette Jamet (Sächsischer Bergsteigerbund)
U17 männlich
1. Platz Anton Dederer (Hildesheim)
2. Platz Erik Martin (Sächsischer Bergsteigerbund)
3. Platz Philipp Mühlbradt (Hamburg und Niederelbe)
Berliner Meister
Luk Meyhöfer (ACB)
Berliner Meister U17
Lane Woltmann (Sektion Berlin)
Berliner Meisterin
Inka Fichtel (Sektion Berlin)
Berliner Meisterin U17
Inka Fichtel (Sektion Berlin)
Weitere Platzierungen von Sektionsmitgliedern in der Tageswertung:
Herren/U17m
4. Bo Cremers
17. Konrad Poppe
19. Daniel Lehmann
23. Georg Heinze
28. Lane Woltmann
33. Justus Richter
34. Jakob Stöber
37. Henning Metz
38. Szymon Brabandt
39. Jonas Mutter
42. Ilja Brabandt
43. Vladyslav Nikitochkin
44. Fredrick Schieritz
Damen/U17w
6. Inka Fichtel
8. Carlotta Sandau
11. Eva Eakin
12. Maja Lozowicka
14. Anne Voigt
20. Hilda Weinrich
22. Leonore Wilkins-Rossbach
24. Emilie Duquesne
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